Trias1
BuiltWithNOF
Sonne-9 HoPadrd

... so  gesehen: MUNSTER

OBLITI    PRIVATORUM   PUBLICA  CURATE   !

[Home] [Presseschau] [Strittiges] [Politik&Ethik] [Impressum]

Politik und Ethik - Überlegungen zu einem sensiblen Verhältnis
war das Thema des “Stadtgespräch” der CDU  am 20. Januar, ...

Fazit s. u..

... ein mächtiges Vortragsvorhaben angesichts der Größe der Begriffe.

Eine notwendige Beschränkung, hier als “Überlegungen zu einem sensiblen Verhältnis” oder eine Präzisierung des Themas war notwendig, die vom vortragenden Kirchenmann Dr. Friedrich Hausschildt, Vizepräsident im Kirchenamt der EKD, auch versucht wurde:
Ihm ging es um religiöse (kirchliche) Ethik
-Inhalte und um die Frage, wie diese dann in der Politik zur Wirkung kommen könnten - und in diesem Stadtgespräch der Christdemokraten Munsters.

Dabei sprach er vor allem von den Institutionen Kirche und Religionsgemeinschaften, aber weniger von den Bemühungen ihrer Vertreter, den Theologen einerseits und den Politikern andererseits. Zudem sprach er weniger von der “Politik”, sondern mehr vom handelndem Staat , auch von dessen Gruppierungen, wie den Gewerkschaften usw., aber fast gar nicht von “Politikern” , den Menschen. Unwichtig? Mitnichten, denn gerade Verantwortliche brauchen Ethik.

Ob der Vortragende zu Politik und Ethik, Politik ungleich Ethik, Politik mit Ethik usw. referieren wollte, war anfangs eine spannende Frage.

Nach einem kurzen historischen Abriß des früher machtkonkurrierenden Verhältnisses von (katholischer) Kirche und Staat bis hin zum uns bis heute prägende Wirkens Luthers, welches in eine besondere Säkularisierung führte, stellte er beide Bereiche als sinnvolle Polarisierung - oder Gegenüberstellung - mit Schnittmengen an Aufgaben dar.
Einen populistischen Gegensatz von “gut” und “ungut”
zu konstruieren, war nicht die Absicht des Referenten.
Eher schimmerte durch, daß es solche gäbe, die von beruf(ung)swegen besser im Wissen um das “Gute” oder “Richtige” zuhause seien und solche, die diese Welt gestalteten, und weiter, daß ein gegenseitiges Geben und Nehmen zwischen ihnen sicherlich sinnvoll sei. Die Politiker schienen mir dabei in seinem Vortrag doch eher als die Bedürftigen als die Maßstäbe Setzenden zu sein.

Den Gegensatz religiös dominierter Gesellschaftsformen, wie zum Beispiel in islamischer Staaten, nutze Dr. Hausschild herauszustellen, welche Absichten unsere Verfassungsväter und -mütter antrieb, in unserer Verfassung nicht  eine absolute Trennung von Staat und Kirche zu zementieren, sondern Zuteilungen an Gesellschaftsaufgaben vorzunehmen - und diese an die religiösen Gemeinschaften übertragenen Pflichten staatlich zu finanzieren. Dieses gefalle heute nicht jedem - in Unkenntnis des Erfahrungshintergrundes der damaligen Nachkriegsgeneration.
Er beschrieb in diesem Sinne den mörderischen Kampf der Religionsanhänger untereinander und gegen die offenen Gesellschaften, eine Erfahrung, die Europa schon im 30-jährigen Krieg bis zum Exzeß durchlitten hatte

In der anschließenden, lang anhaltenden und anspruchsvollen Diskussion brachte Dr. Hausschildt einen weiteren interessanter Aspekt ein.
Auf eine sorgende Frage aus dem Publikum zur zukünftigen Bedeutung der religiös georteten Ethik bei schrumpfenden Kirchengemeinden bot der Kirchenmann eine innovative Entwicklungstendenz als denkbare Lösung an:
Die schrumpfenden Mitgliederzahlen der Kirchen wie der Parteien wolle er nicht pauschal mit er einer Tendenz zur egozentrischen Individualisierung und Gesellschaftsferne der Bürger gleichsetzen.
Vielmehr beobachteten Aufmerksame, daß sich immer mehr Menschen direkt an der Gestaltung ihrer Gesellschaften beteiligten, ohne an eine Institution gebunden zu sein. Die Medien seine voll davon.
Eine zukünftige Gesellschaft könnte womöglich auch gut ohne starke Führerschaft von Parteien und Kirchen auskommen, wenn und weil sie (wieder) zur Bürgergesellschaft zurückfänden, weil sie in eine Zivilgesellschaft (römisch: Civitas) mit eigenen Normen und Werten hineinwachsen könnte.

Dann würde das “höchste Gute”, das Ethikprägende eben nicht mehr allein bei Gott und von ihm kommend gesucht werden und die Erlösung (gestalterischer Ausfluß) allein bei der “Politik”. 
Die Menschen würden mit der Fähigkeit zu frei(!)willigen sittlichen Entscheidungen, zu kritischem Handeln und zu gemeinsam entwickelten Normen und Werten eine neuere Gesellschaft werden. Auch neugefaßte Verfassungen, die ohne vorrangigem Bezug auf die religiöse Wurzeln unserer Gesellschaft wären dann denkbar und notwendig, wie sie ein Diskutant in Bezug auf unsere Verfassung ansprach, auf zeitgemäßen Grundlagen.

Die der Kürze der dem Referenten gestellten Zeit zu schuldenden offengebliebenen Themenbereiche will ich hier mit nur vier Punkten ergänzen, da ich sie für die Entscheidungen von Politikern wichtig halte:

1.) Kein Politiker kann ethikfrei handeln.
Jeder Mensch ist in einem Umfeld aufgewachsen, das seine Moral geprägt hat; dieses hatte seinerseits auch schon Wertvorstellungen von früheren Generationen und Gemeinschaften übernommen.
Je “intakter” dieses prägende Umfeld war, je dauerhafter und tief begründeter sich das (Ur-)Vertrauen des Kindes und dann des  jungen Menschen in die Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit, Liebe, Sicherheit seiner Familie entwickeln konnte, um so tragfähiger ist sein Wissen/Gewissen um das “Gute und Richtige” im Mensch. (Deshalb sind zerbrechende Familien auch schlimmer für Kinder, als gemeinhin angenommen).
Dabei ist das “Umfeld” ist nicht auf den Familienraum beschränkt.

2.) Ethik ist Nachdenken über Moral. Dank der Renaissance leiten uns in unserer absolut pluralistischen Welt viele Ethiken. Der europäischen Raum war schon immer davon betroffen, aber im neuen Globalisierungsschub wird das hoffentlich für alle erkennbarer.

3.) Jeder verantwortungsvoll Handelnde, eben auch Politiker, sollte sich der Wurzeln seiner Moralvorstellungen, seines Wissens, seines Gewissens und ihrer Vielfältigkeit bewußt sein. Ethik ist die unter anderem Frage “Warum will ich so entscheiden - und nicht anders?”

4.) Grundsätzlich gibt es Hilfen:
Im Weltlichen ist es die Philosophie, die die Begriffe des Ethischen hinterfragen, klären, Argumente beibringen und diese abwägen muß.
Im Religiösen beziehen sich Kirchen zwar auf Offenbarungen und andere Glaubensinhalte, auf ihre religösen Schriften, können  von daher nicht uneingeschränkt formulieren. Aber: auch die Kirchenmänner müssen ihre Begriffe im Ethischen hinterfragen, Argumente in die Diskussionen einbringen und sie abwägen.

Diese Hilfen, Hilfsmittel, Werkzeug zu nutzen, erwarte ich vom Politiker!

FACIT

Es gibt ein notwendiges Miteinander von Politik und religiös geformter Ethik, dessen “User” der handelnde - oder unterlassende - Mensch sein sollte.
Alle mit der Berufung über/zu Ethik und Moral nachzudenken, wie vor allem auch Philosophen und Theologen, können und sollen ihre Denkergebnisse samt Zweifel allen Menschen als Werkzeuge zur Verfügung stellen.

DrD, ergänzt am 31. Jan. 2014

 

[Home] [Presseschau] [Strittiges] [Politik&Ethik] [Impressum]